Lavendelöl duftend und praktisch

Lavendelöl gegen Angststörungen

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Bei Angstzuständen hilft Lavndelöl.Lavendel, der graublättrige Strauch mit seinen duftenden, violetten Blüten, wird seit Jahrtausenden als Heilpflanze eingesetzt. Er soll antibakterielle Eigenschaften haben und sowohl Hautpilze als auch Nagelpilze abtöten können. Äußerlich angewendet soll er außerdem rheumatische Beschwerden lindern können. In einigen Gegenden ist getrockneter Lavendel ein gängiges Gewürz für viele Speisen, er eignet sich also auch für die innere Anwendung. Extrakte aus der Lavendelpflanze können für medizinische Zwecke eingenommen werden. Gegen innere Unruhe und bei Einschlafstörungen soll Lavendel helfen. Ihm wird eine desinfizierende, entspannende und beruhigende Wirkung nachgesagt.

Aktuelle Studien kommen nun zu dem Ergebnis, dass Lavendel-Extrakte tatsächlich angstlösend wirken und die Symptome einer depressiven Störung lindern können. Das Überraschende daran ist, dass die Lavendelöl-Kapseln ein modernes Antidepressivum in ihrer Wirkung übertrafen. In einer zweiten Studie wurde die Wirkung des Lavendels im Mausmodell untersucht. Es gibt jetzt erste Hinweise auf den molekularen Wirkmechanismus von Lavendelöl.

Lavendelöl gegen Angststörungen und Angstzustände

Kliniken in Wien, München, Berlin und Werneck führten eine Studie mit 539 Personen durch. Bei der deutsch-österreichischen Kollaboration wurde die Wirkung des Lavendels mit einem Antidepressivum verglichen. Die Patienten erhielten entweder eine Lavendelöl-Zubereitung, die aus den Blättern des Lavendels gewonnen wurde („Silexan“), ein Antidepressivum oder ein Placebo in der Kontrollgruppe. Der Lavendelextrakt hatte eine Konzentration von 80 oder 160 mg. Als Antidepressivum wurde der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer Paroxetin mit einer Konzentration von 20 mg verabreicht. Die Probanden nahmen die Präparate über einen Zeitraum von zehn Wochen täglich ein. Die Studie wurde doppelblind und randomisiert durchgeführt, d. h. es war den Probanden nicht bekannt, welches Präparat sie erhielten (Lavendelextrakt, Antidepressivum oder Placebo) und ein Losverfahren bestimmte, zu welcher Gruppe sie gehörten.

Analyse der Studienergebnisse durch die HAMA-Werte

Die Hamilton Anxiety Scale (HAMA-Skala) dient dazu, die Schwere der Symptome von Patienten zu bestimmen. Für die vorliegende Studie wurden 14 Symptome (darunter Angst, Anspannung, depressive Stimmung, Herzklopfen, Atemschwierigkeiten und Schlafstörungen) beurteilt. Je nach Intensität wurde jedem Symptom eine von fünf möglichen Abstufungen zugeordnet. Ein Skalenwert zwischen 17 und 24 gilt als milde bis moderate Angststörung, bei Patienten mit höheren Werten liegt eine schwere Angststörung vor. Alle Probanden, die an der Studie teilnahmen, hatten einen HAMA-Wert von 18 oder darüber.

Das Lavendelpräparat konnte schon in der niedrigeren Konzentration von 80 mg die Symptome reduzieren. In der Konzentration von 160 mg stellte sich eine deutliche Besserung ein, die nicht nur das Placebo sondern auch die Wirkung von Paroxetin übertraf.

Wirkung des Lavendels messbar auf der HAMA-Skala

  • Hochkonzentrierter Lavendelextrakt (160 mg) reduzierte den HAMA-Wert um 14,1 Punkte. Nach einem anderen Analyseverfahren reduzierten sich bei 60 % der Probanden die Symptome um über 50 %.
  • Bei Probanden mit dem niedrigkonzentrierten Silexan (80 mg) ging der HAMA-Wert immerhin noch um 12,8 Punkte zurück. Berechnet man wiederum den Anteil der Probanden, deren Symptome sich um 50 % oder mehr besserten, so beträgt er für 80 mg Lavendelextrakt 51,9 %.
  • Dazu im Vergleich verringerte das Antidepressivum Paroxetin den HAMA-Wert um 11,3 Punkte. Dies entspricht 43,2 Prozent der Studienteilnehmer, deren Symptome sich um 50 % oder mehr besserten.
  • In der Kontrollgruppe, die das Placebo bekam, ging der HAMA-Wert um 9,5 Punkte zurück.
  • Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren also sowohl Antidepressivum als auch Silexan wirksam. Die Wirkung des Silexans war dosisabhängig, die beste Wirkung hatten demnach die Lavendelöl-Kapseln mit 160 mg Konzentration.

Die Wirkung des Lavendels ist auch bei Mäusen nachweisbar

Die angstlösende Wirkung des Lavendels konnte auch bei Mäusen festgestellt werden. Eine Studie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main geht nun den molekularen Wirkmechanismen nach. Über drei Tage hinweg verabreichten die Forscher physiologische Dosen Lavendelöl an die Mäuse. Die Dosis soll einer Konzentration von 80 mg beim Menschen entsprechen. Zum Vergleich dienten Diazepam und Pregabalin, beides chemische Angstlöser.

Alle drei Wirkstoffe verlängerten die Schlafdauer der Mäuse. Außerdem hatten alle drei Wirkstoffe einen ähnlichen angstlösenden Effekt: Die Mäuse wurden für fünf Minuten in ein Labyrinth mit offenen und geschlossenen Armen eingesperrt. Ein Aufenthalt in den offenen Armen bedeutet für Mäuse erhöhten Stress – dennoch hielten sich die behandelten Mäuse alle in den offenen Teilen des Labyrinths auf. Der Effekt war bei dem Lavendelpräparat, Diazepam und Pregabalin gleich. Der Lavendelextrakt bewirkte also, dass die Mäuse sich weniger ängstlich verhielten.

Molekulare Grundlagen der angstlösenden Wirkung von Lavendel

Die Frankfurter Forscher konnten zeigen, dass der molekulare Wirkmechanismus des Lavendelpräparats der Wirkweise von Diazepam und Pregabalin ähnelt. Bei Angststörungen spielt der Hippocampus eine wichtige Rolle. Die drei untersuchten Wirkstoffe hemmen spannungsabhängige Kalziumkanäle in dieser Gehirnregion. Die angstlösende Wirkung von Lavendel ist zumindest teilweise auf diesen Mechanismus zurückzuführen.

Da die Wirkung des Lavendelöls im Mausmodell erforscht werden kann, erhofft man sich bald neue Erkenntnisse für die klinische Anwendung von Lavendelpräparaten.

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